Dolltopia 0020

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Dolltopia

"Na, das schien ein netter junger Mann zu sein", meinte Sinistra, "aber ein wenig komisch."
"Hm..." Eternia gingen mehrere Dinge gleichzeitig durch den Kopf. Jeremiah war ganz süß, und ein Teilzeitjob in einer Konditorei klang nicht schlecht. Am meisten beschäftigte sie allerdings...
"Warum hat es ihn so erschreckt, daß hier jemand wohnt? Hat der Vermieter zu dir irgendwas gesagt? Ist was mit dem Haus?"
"Nein, was sollte denn mit dem Haus sein?"
"Du hast doch gesehen, wie entsetzt er uns angestarrt hat! Keine Ahnung, vielleicht ist hier ein Massenmord geschehen oder sonstwas!"

Sinistra blickte sie zweifelnd an. "Na, nach einem Mord sah die Wohnung aber nicht aus. Vielleicht stand das Haus einfach gerade leer, als der alte Besitzer starb, und dann hat es länger gedauert, bis die Formalitäten geklärt waren und Herr Indi es endgültig erbte."

 

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"Na schön, vielleicht hast du Recht. Aber bei Gelegenheit muß ich den Vermieter unbedingt danach fragen!"
"Das ist sicherlich eine gute Idee."
"Also, wie war das nun? Wann gehen wir in die Stadt?"
"Oh, stimmt! Ich bin ja noch nicht fertig!" schreckte Sinistra schuldbewußt auf. "Du könntest mir helfen, dann geht's schneller!"
"Na, ganz toll..." Eternia sah sie genervt an.

 

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Der Elementaristin kam ein Gedanke. "Hm. Um noch mal auf den Geist zurückzukommen..."
Ihr Gegenüber horchte auf. "Ja?"
"Also, ein bißchen in Aufruhr sind die Elemente in diesem Haus schon. Ich hab sie letzte Nacht wispern hören."
"Ugh... Und was heißt das?" Eternia schluckte, während Sinistra mit den Schultern zuckte. "Nun, vielleicht wohnt hier tatsächlich ein Geist. Oder der Ort war mal eine okkulte Stätte. Oder, oder, oder... Es gibt da so viele Möglichkeiten..." Sie berichtete in einem lockeren, fast fröhlichen Ton, fast so als würde sie übers Wetter reden.

 

Dolltopia

"Sinistra! Könntest du das vielleicht etwas ernster nehmen?! Geister!" Eternia warf entsetzt die Hände in die Luft.
"Na, was denn? Es muß ja kein böser Geist sein..."
"Geister zahlen keine Miete! Wir schon! Also haben wir das Recht hier zu wohnen, ein Geist hat hier aber nichts zu suchen!" beharrte Eternia.
Sinistra biß sich auf die Unterlippe. "Naja... Ich hab ein paar Semester Nekromantie studiert, aber ein richtiger Fachmann bin ich nicht auf dem Gebiet. Ich kann ja mal morgen bei Elizabeth fragen, ob jemand in der Stadt ist, der sich das mal ansehen kann."
"Morgen erst?!"

 

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"Meine Güte. Wenn es dir so wichtig ist rede ich nachher schon mal mit den Elementen, in Ordnung?" meinte Sinistra beschwichtigend, während sie sich hinkniete, um das trockene Laub mit den Händen in den Eimer zu stopfen. Das war doch einfacher als mit dem Spaten.
"Ich bitte darum! Geister!" Die Blondine war sprachlos. Sie hatte keine Angst vor Geistern, aber dennoch graute ihr bei dem Gedanken daran, daß an dem Gerücht etwas wahres sein konnte. 'Wenn das stimmt und es sich rumspricht, dann werden sich nur Ufo-Spinner und totale Nerds für mich interessieren! Das geht ja mal gar nicht!'

 

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"Jetzt laß das blöde Laub sein und zieh dich um, damit wir in die Stadt gehen können!" forderte sie ihre Mitbewohnerin auf und stieß energisch die Haustür auf. "Schlimm genug, daß Jeremiah mich in den verschwitzten Klamotten von gestern gesehen hat."
"Ja, ich wollte nach der Gartenarbeit auch in etwas sauberes schlüpfen", stimmte Sinistra seufzend zu, stand auf und klopfte sich das Gras aus dem Rock. "Aber ich bin doch noch nicht fertig! Dann bin ich nachher gleich wieder dreckig!"
"Sinistra, wir haben Herbst! Wenn wir wiederkommen sieht der Garten vermutlich sowieso wieder so aus wie heute früh!" Ohne weiteres Warten verschwand die Blondine im Haus, und die andere mußte ihr insgeheim zustimmen.

 

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