Pullip: Verfärbungen

  • Drucken

Pullip und Puppen aus PVC-ähnlichem Material haben ein großes Problem: Sie verfärben leicht. Dies gilt für Pullip und alle Mitglieder ihrer "Familie" (Taeyang, Dal usw.), so ziemlich alle BJDs (für die großen Ball Jointed Dolls mit Preisen im vierstelligen Bereich wie Dollfie etc. ebenso wie für die Miniaturen wie Pang-Ju) und auch für Obitsu Körper mit weichem Torso. Puppen aus härterem Plastik wie Monster High, Ever After High oder moderne Barbies sind nicht betroffen.
Verfärbungen sind ärgerlich und ein großes Problem, daher möchte ich hier meine bescheidenen Erfahrungen damit teilen.

Der Kunststoff, aus dem Pullips gemacht sind, nimmt sehr leicht Farbe an, und das oft schon, bevor man die Puppe auspackt. Dies gilt vor allem für besonders dunkle Farben wie Schwarz, aber auch für sehr intensive Farben, wie Feuerwehrrot, Pink, strahlendes Blau oder Grün usw. Das muß jedem Käufer vorher klar sein, denn sonst erlebt man unschöne Überraschungen.

Laßt mich hier einfach mal ein paar Beispiele zeigen.

Doll problem

Doll problem

Pullip Elizabeth, so wie sie aus der Box kam. Ihre Oberarme sind schwarzgelb verfärbt von ihrem Kleid, auch auf den Brüsten und am Po zeigen sich leichte Spuren. Nur ihre Hände waren in Folie gepackt.

Doll problem

Elizabeth von hinten. Auf ihrer schneeweißen Haut zeigen sich die Flecken besonders aggressiv, obwohl sie durch das Foto abgeschwächt werden. Pullip Mir zeigt, daß Schwarz nicht die einzige Farbe ist, die Ärger macht. Ihr Oberteil ist Rot, und ihr Torso ist rundherum rosa verfärbt.

 

Doll problemHeutzutage sind die Puppen unter ihrer Kleidung oft teilweise in Plastikfolie eingewickelt, um das Problem abzuschwächen, aber wie hier das Beispiel von Pullip Victorique deBloise zeigt ist die Folie manchmal nur sporadisch vorhanden und schützt nicht alle Teile der Puppe. Während Victoriques Arme verpackt sind war ihr Torso ungeschützt und hat einen schwarzen Fleck.

 

Oje, wie läßt sich das vermeiden?

Diese Art von Flecken läßt sich leider gar nicht vermeiden.
Wie gesagt, die Puppen sind seit einigen Jahren teilweise verpackt, was das Problem gemildert hat, aber wenn man die Puppe kauft ist das Malheur halt schon passiert.
Es ist auch kein Reklamationsgrund, da auf der Verpackung teilweise sehr deutlich darauf hingewiesen wird, daß Verfärbungen ein Merkmal des benutzten Materials sind. Teilweise wurden sehr dunkel gekleidete Pullips, wie vor einigen Jahren die Eskimo-Pullip Chill, von Händlern mit Warnungen versehen, daß die Puppe höchstwahrscheinlich viele Flecken hätte und man sich durch die Bestellung damit einverstanden zeigte.

Natürlich ist es auch nicht nur Pullip, bei der das auftritt, sondern wie gesagt auch ihre Familie und ähnliche Puppen. Mein Taeyang Brian hat die pinken Teile seines Shirt auf der Brust verewigt und die Herren haben generell viel Schwarz an und daher oft Flecken auf den Schultern oder vorne an den Kanten der Knie. Bei Dal Ende war mir klar, daß sie unter ihrem schwarzen Halsband einen Striemen um den Hals haben würde, und dem war auch so.

Bei dieser Art Verfärbung kann man höchstens versuchen sie nachträglich zu mildern. Tipps dazu gibt's weiter unten.

 

Was sich aber vermeiden läßt sind weitere Verfärbungen durch eigenes Verschulden!

Doll problemHier mal ein Beispiel dafür, wie es aussehen kann, wenn man einer Dal ein Jahr lang schwarze Socken anzieht.
Diese Puppe habe ich auf Ebay gekauft von einer Dame, die sich völlig sicher war, daß die Puppe absolut makellos sei, denn sie hatte das nach dem Kauf geprüft. Ja, da hatte die Dal auch noch weiße Strümpfe an. Die Besitzerin hat sie umgezogen und nie wieder geprüft was für Folgen das hatte.

Das ist das schlimmste Beispiel aus meinem eigenen Fundus, aber ich habe viele Horrorstories von Puppen gelesen und gesehen, z.B. Geschimpfe auf Ebay bei Drittanbietern für Kleidung, weil nach einigen Monaten in der süßen weißen Strumpfhose mit den grünen Punkten die Punkte auf den Beinen der Puppe verewigt waren. Das liegt nicht an der gekauften Kleidung, sondern am Material der Puppe.

 

Soll das etwa heißen ich soll meine Puppe niemals umziehen?!

Nein, natürlich nicht. Aber man sollte Maßnahmen ergreifen, um Verfärbungen zu vermeiden, wenn man keine unschönen Erfahrungen machen möchte.

Schritt 1: Neue Puppen sofort komplett ausziehen und auf Flecken prüfen. Bei einem neuen Modell, das noch nicht jahrelang in einem Regal lag, hat man oft Glück und es ist noch nichts oder nicht viel passiert.
Das gilt natürlich nur für Puppen, die dunkle oder kräftige Farben tragen. Ein weißes Kleid färbt naturgemäß nicht ab, und bei Pastellfarben hat man meist wenig zu befürchten.

Schritt 2: Wenn nichts passiert ist sollte man Schritte ergreifen, damit das auch so bleibt! Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

 

1) Kleidung farbecht machen

Von dieser Technik habe ich zuerst auf RequiemArt gelesen, vielen Dank dafür!
Farbecht machen (to colourfast) zieht die überschüssige Farbe aus intensiv gefärbten Kleidungsstücken. Hierzu nimmt man eine Schüssel, gibt ca. 4 Tassen Wasser, eine halbe Tasse Essig und einen Teelöffel Salz hinein und rührt gut um. Dann tunkt man die Kleidungsstücke gut unter, bis sie richtig durchnäßt sind. Für ca. 30 Minuten die eingeweichten Teile irgendwo ausgebreitet hinlegen (eine Badewanne eignet sich gut) und dann in leichter Handwäsche mit warmem Wasser und etwas Seife o.ä. auswaschen. Trocknen lassen, bei Bedarf bügeln, fertig.

Mit dieser Technik habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe mir angewöhnt alle Klamotten sofort farbecht zu machen (gekaufte genauso wie selbstgenähte), und teilweise kommen ganze Springbrunnen von Farbe heraus. Danach hat man normalerweise Ruhe. Wenn beim Farbecht machen auffällt, daß extrem viel Farbe aus einem Kleidungsstück kommt, dann lohnt sich unter Umständen eine zweite Behandlung, um ganz sicher zu gehen.

Einige kleinere Probleme gibt es allerdings doch zu beachten:
- Metall und Essig mögen sich nicht immer. Einige Anhänger, z.B. Kreuze am Gürtel etc, sind angelaufen, und die goldenen Knöpfe von Taeyang Amas Fliegeranzug waren hinterher grau. Metall sollte man daher entweder entfernen (z.B. abschneiden und hinterher wieder annähen), mit Folie umwickeln um es wasserfest zu machen oder darauf verzichten das Kleidungsstück farbecht zu machen. Im Zweifelsfall sollte man es an einer kleinen Stelle prüfen. Reißverschlüsse z.B. haben gar kein Problem mit Essig und viele andere Metalle auch nicht, aber man kann auch mal Pech haben.
- Wenn ein Kleidungsstück Glitter hat kann der hinterher auch weg sein. Ich habe meiner Midnight Velvet wortwörtlich den Glitter aus ihrem Schleier gewaschen als ich ihren Hut samt schwarzer Schleife farbecht machte.
- In ganz seltenen Fällen kann der Stoff auf sich selbst abfärben, oder Teile eines Outfits auf andere. Passiert ist mir das bislang nur einmal, und zwar beim Rock von Pullip Mir. Dieser besteht aus Stoffstreifen, die verschiedene Muster mit weiß, schwarz und rot aufweisen, und ich hab jetzt diverse Schattierungen von rosa mit drin, weil der rote Stoff auf die gemusterten ausgeblutet ist. Meiner Meinung nach ein Designfehler. Mit dem Wissen im Hinterkopf sollte man jedoch darauf achten, die Kleidungsstücke beim Einweichen nicht zu überlappen. Ein schwarzer Rock, der auf einem gelben Shirt einweicht, kann darauf abfärben. Also lieber etwas Platz lassen zwischen den Sachen.

2) Unterwäsche nähen

Wenn sich ein Kleidungsstück nicht dazu eignet farbecht gemacht zu werden, z.B. weil man Angst um Metallnieten oder sehr empfindliche Stoffe hat, oder wenn man trotz allem noch Angst vor Verfärbungen hat, dann kann man zu Methode 2 greifen und der Puppe schützende Unterwäsche nähen. Aus Paranoia hab ich mir das für so ziemlich all meine Puppen mit schwarzer Kleidung angewöhnt. Wichtig dabei ist, daß diese Unterkleidung sehr eng sitzt und möglichst dünn ist. Es eignet sich z.B. Futterstoff oder feiner Stretch Jersey. Da ich für so ziemlich jeden Körpertyp Unterwäsche angefertigt habe werde ich die Schnittmuster natürlich auch online stellen. Diese Wäsche muß nicht schick genäht sein, sie soll ja nur schützen und nicht sichtbar sein. Daher kann man auf Klettverschluß etc auch verzichten und die Teile grob von Hand zusammennähen.
Manchmal ist es auch möglich - oder das einfachste! - weißen Futterstoff direkt in das gefährliche Kleidungsstück einzunähen. Meine Midnight Velvet ist nun sicher, weil ich von Hand ein Stück weißen dünnen Stoff direkt in ihr Korsett eingenäht habe, was wegen des Schnitts mit Unterwäsche schwierig unsichtbar hinzukriegen gewesen wäre.

 

Aber was tue ich, wenn meine Puppe schon Flecken hat?

Es gibt mehrere Methoden Flecken zu leibe zu rücken, nur ist leider keine davon narrensicher.

1) Schmutzradierer. Viele Sammler schwören auf Schmutzradierer, also Zauberschwämme. Die bekommt man in jedem Supermarkt bei den Haushaltsreinigern. Im Prinzip handelt es sich dabei um microfeines Schmirgelpapier, das in nassem Zustand benutzt wird und sich dabei mit der Zeit zerlegt/abnutzt.
Meine Erfahrungen mit Schmutzradiern sind verheerend. Den Puppen ist zwar nichts passiert, den Verfärbungen aber auch nicht. Ich endete nur mit einem Haufen zerfledderten Materials von den Radierern. Entweder funktioniert das nur mit bestimmten Marken oder nur bei speziellen Sorten von Flecken, die noch nicht tief eingesunken sind.

2) Pickelcreme und Herausbleichen der Flecken durch Sonne. Man trägt Pickelcreme (angeblich funktioniert jede Marke) punktuell auf die Flecken auf, legt die Puppe in die Sonne und prüft alle paar Stunden durch Entfernen der Creme ob der Fleck weg ist. Ansonsten wiederholt man den Vorgang. Von dieser Methode habe ich nur auf RequiemArt (Link oben) unter dem Punkt "Stain Removal" gelesen. Diese Methode soll sehr erfolgreich sein, ich traue mich jedoch nicht sie anzuwenden, da sie auch Gefahren in sich birgt. Zum einen zieht die Creme die Farbe aus der Puppe, was die Hautfarbe beinhaltet! Wenn man nicht sehr genau vorgeht und/oder die Puppe zu lange in der Sonne läßt besteht die Gefahr helle Stellen in die Puppe hineinzubleichen. Zum anderen ist Sonne genau das, was Pullips eh nicht mögen. Die Puppe könnte vergilben oder - im schlimmsten Fall - anschmelzen. Außerdem funktioniert das ganze auch nur bei reichlich Sonnenschein, ist im Winter also schwerer anzuwenden.
Anwendung auf eigene Gefahr.

3) Schmirgelpapier. Sehr brutal, aber für mich das einzige, was bislang erfolgreich war. Man nimmt möglichst feines Schmirgelpapier (ich verwende hauptsächlich welches, das naß benutzt wird), schmirgelt die Flecken weg und versiegelt die Puppe neu mit Mr. Super Clear. Das ist natürlich ebenfalls experimentell - wenn der Fleck zu tief eingesunken ist bekommt man ihn nicht weg ohne die Konturen massiv zu stören. Bei Puppen mit dunkler Haut kann es zudem vorkommen, daß die geschmirgelten Stellen heller sind, weil das Material nicht komplett durchgefärbt ist. Das bessert sich nach dem Versiegeln zwar wieder, bleibt aber oft etwas sichtbar. Und wenn das Schmirgelpapier zu grob ist sieht man feine Kratzer im Plastik.

4) Körper austauschen. Wenn die Puppe arg unansehnlich ist und nichts hilft, dann muß ein neuer Körper her...

Es tut mir leid, nichts besseres berichten zu können. Leider gibt es keine 100% sichere und 100% zufriedenstellende Möglichkeit der Fleckentfernung. Ein weiterer Grund dafür, sich gleich darum zu kümmern und es gar nicht erst so weit kommen zu lassen!

 

Vergilben

Doll problem

Pullip und andere Puppen aus PVC haben noch ein weiteres Problem: Sie vergilben mit der Zeit.

Ich habe zwei gebrauchte Puppen, bei denen der Prozess schon eingesetzt hat, und habe auch Eternia und Tamara im Verdacht langsam anzufangen. Auf Fotos ist der Gilb in mäßigem Stadium leider schwer zu sehen, selbst wenn er bei Tageslicht ohne Kamera deutlich sichtbar ist, daher habe ich mal auf diesem Foto von Pullip Blanche die schlimmsten Stellen eingekreist.

Vergilbung beginnt meist zwischen den Augen, an der Nasenspitze, am Kinn und um den Mund herum. Dann breitet es sich auch auf der Stirn und anderen Flächen aus. Bei Pullips findet der Prozess meines Wissens nach nur im Gesicht statt. An Körpern konnte ich bei Pullips bislang kein Vergilben feststellen, so wie ich hörte soll es bei BJDs jedoch vorkommen.

Ultimativ ist Vergilben unvermeidlich, da es sich um einen Nebeneffekt des benutzten Materials handelt. Es läßt sich aber für geraume Zeit aufhalten. Und zwar so:

1) Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Pullips mögen keine Sonne. Mein Puppenzimmer hat immer Jalousien, die geschlossen sind, wenn ich nicht darin arbeite. Wer nicht so extrem sein mag sollte seinen Pullips wenigstens ein schattiges Plätzchen im Regal gönnen statt sie in der prallen Sonne auszustellen.

2) Fettflecken vermeiden. Fett verstärkt das Sonnenlicht noch. Gerade wenn man zu starkem Schwitzen neigt sollte man die Puppen öfters mal waschen/abputzen, sie möglichst wenig im Gesicht berühren und sie erst recht nicht in der Sonne sitzen lassen. Manche Sammler tragen zur Vorsicht Handschuhe.

3) Mr. Super Clear kann man mit etwas Glück mit UV-Schutz Effekt bekommen. Wenn man eine solche Dose ergattern kann kann man die Puppe für viele Jahre zusätzlich schützen.

 

Diese Art von Verfärbung habe ich einzig und allein mit Schmirgelpapier behandeln können, wobei sich in schlimmen Fällen durchaus die Kontur der Nase und des Gesichts generell drastisch ändern kann, lol.
Sollte es wirklich sehr schlimm werden kann man die Puppe leider nur noch wegwerfen oder ihr ein völlig neues Leben einhauchen durch eine komplette Gesichtsbemalung, z.B. als Geisha, Katzenmensch oder indem man versucht die Hautfarbe möglichst genau zu treffen und ihr einen frischen Teint verpaßt.

 

Genug Schocks für heute!

Hätte ich damals nicht sehr schnell ein Problem mit einer meiner ersten Pullips gehabt und mich auf der Suche nach der Lösung zufällig festgelesen, dann hätte ich sehr, sehr viele Fehler gemacht, die doch so einfach zu vermeiden sind. Daher hoffe ich euch mit diesem kleinen Bericht etwas geholfen oder wenigstens auf einige Fallstricke im Umgang mit Pullips aufmerksam gemacht zu haben. Fröhliches Sammeln!