"Na, da bin ich mal gespannt. Laß hören, wie deiner Meinung nach mein Traummann sein müßte."
"Hm... Zunächst einmal müßte er natürlich Musikliebhaber sein. Vielleicht also ein Künstler oder sogar selbst ein Musiker. Er muß belesen sein, gute Manieren und Hygiene haben und eher häuslich sein statt sportlich, zumindest sollte er kein Extremsportler sein, der mit dir Berge besteigen möchte. Er sollte Fantasy- und Gruselfilme mögen, geduldig und zärtlich sein und selbstverständlich treu."
"Die Hälfte von dem, was du da aufzählst, stellt ja wohl das absolute Minimum dar, was man von einem ordentlichen Partner erwarten darf. Keiner will einen ungehobelten, fremdgehenden Wutknochen, der nur alle drei Wochen duscht. Da mußt du schon expliziter werden", unterbrach sie ihn.


"Oh, die Dame hat hohe Ansprüche an ihren Verkuppler!" Caleb schürzte die Lippen. "Na schön. Ein Hundeliebhaber käme nicht in Frage, da du keine Hunde magst. Chirurg sollte er ebenfalls lieber nicht sein, um dich nicht an deinen Vater zu erinnern, aber eine gute Anstellung wäre natürlich nicht verkehrt. Dein Traummann sollte darüber hinaus gesundes Essen und Rohkost zu schätzen wissen und gut zuhören können. Wie ist das?"
"Au weia!" lachte Jade und schüttelte den Kopf so heftig, daß ihre Zöpfe nur so flogen, woraufhin er den Kopf schief legte. "Wie meinen? Liege ich so falsch?"
"Ich würde sagen, das war insgesamt zu einem Drittel richtig, zu einem Drittel Minimalstandard und zu einem Drittel völlig daneben."
"So? In welchen Punkten lag ich denn daneben?" fragte er interessiert.
"Mir wäre es egal, ob er Extremsport mag, solange er nicht erwartet, daß ich sein Hobby teile. Soll er doch mit seinen Freunden Berge besteigen, solange ich derweil Gitarre spielen kann. Was er ißt und was er arbeitet wäre mir ebenfalls völlig egal, ebenso der Hund, solange er sich um das Tier kümmert und nicht ständig ich bei Regen und Sturm mit ihm Gassi gehen muß. Im übrigen würde ich ihn liebend gern bekochen, und zwar nicht mit Rohkost!"
"Hm."

"Nach über vier Monaten Freundschaft war das mal eine eher schwache Leistung für meinen besten Freund, Caleb. Versuch besser nicht mich zu verkuppeln, solange du mich nicht besser kennst." Frech nippte sie an seinem Drink, was er mit erhobenen Brauen beobachtete, aber nicht weiter kommentierte, ehe sie hinzufügte: "Zudem hast du kein Wort über die körperlichen Qualitäten meines Auserwählten verloren."
"Wenn du der Meinung bist ich hätte Lücken in meiner Akte über dich, dann kläre mich gerne über die gewünschten Attribute auf, damit ich beim nächsten Mal besser treffe."


Sie schüttelte den Kopf. "Nein, ich denke nicht."
"Jetzt bist du unfair!" beschwerte er sich grinsend. "Nun gut, dann... groß, blond und sonnengebräunt?"
"Ich soll auf den Surfertyp stehen? Sieht das aus wie die Figur eines dazu passenden Bikinimäuschens?!" fragte sie in gespieltem Entsetzen und setzte sich provokativ in Pose, um ihre durchaus ansehnliche Oberweite zu präsentieren.
"Nun, zum einen würde dir ein Bikini auf jeden Fall gut stehen, doch zum anderen schwärmst du für mehrere Schauspieler, die dem Typ Blonder Held entsprechen."
"Gar nicht wahr, ich steh auf die Rollen, die sie gespielt haben!"
"Ich verstehe, dein Liebster sollte also Hexenjäger, Ritter oder Elf sein. Das erschwert die Suche natürlich!" sinnierte auch er in gespieltem Grübeln. Zu seiner Erleichterung nahm das Gespräch endlich eine lockere Wendung. Sein Gegenüber schien wieder etwas besser gelaunt als zuvor, allerdings erschien Jade ihm weiterhin völlig unberechenbar. "Na schön, Jade Sparkle! Da ich aus deiner Sicht so wenig Ahnung habe beweise mir doch, daß du es besser kannst! Was für eine Frau hättest du mir denn ausgesucht?"

Sie blinzelte ihn an. "Magst du Frauen überhaupt?" fragte sie plötzlich.
"Wie meinen?"
"Sollte ich dir nicht lieber auch einen Mann aussuchen?" Die junge Frau hatte tatsächlich seit Betreten der Bar über diese Möglichkeit nachgedacht und sich darüber geärgert, das nicht früher in Betracht gezogen zu haben. Es würde sehr viel erklären, zum Beispiel, daß er Interesse an Mode zeigte, sich nichts dabei dachte Frauen zu umarmen, ihnen Komplimente zu machen oder über Gefühle zu sprechen, und auch, daß er Beryl abblitzen ließ und den Umzug dieses ominösen Johns betrauert hatte. Auch sein eigenes Erscheinungsbild würde dazu passen. Natürlich waren das keine Beweise, auch Hetero Männer konnten so flamboyant sein, und es gab sicher zahllose andere Goths, die wie Caleb dunklen Eyeliner oder große Ohrringe trugen und Frauen mochten, aber es wäre doch eine tröstliche Erklärung für sie dafür gewesen, warum er ihr am laufenden Band so ungezwungen nette Sachen sagen konnte, ohne Interesse an ihr zu zeigen. Vielleicht war der Gedanke allerdings auch nur ihrem geknickten Ego entsprungen.


Calebs Brauen wanderten aufeinander zu. "Wie kommst du denn darauf?"
"Entschuldige, bin ich dir zu nahe getreten? Ich meine... wenn es wahr ist mußt du das nicht vor mir verstecken, aber wenn du es noch geheim halten willst verstehe ich das natürlich auch."
"Jade, ich habe kein romantisches Interesse an Männern und bin ehrlich gesagt gerade überfragt, wie du auf die Idee kommst. Rede ich nicht ständig über Damen?"
"Das sind doch bloß Worte. Du scheinst dich nie wirklich für Frauen zu interessieren."
"Wenn mich nicht alles täuscht habe ich dich vor wenigen Minuten noch als attraktiv bezeichnet."

"Was keinen Sinn macht ohne romantische Hintergedanken in Bezug auf mich", konterte sie. Caleb sah sie streng an und versuchte etwas zu sagen, aber bei diesem Anblick wurde ihre Stimme ebenfalls fest und sie ließ sich nicht unterbrechen. "Entschuldige, aber für mich klingt das wie Schmeichelei von jemandem, der mir eine Freude machen möchte, denn da du mich weder heiraten noch mir den Preis für ein Date mit dir verraten willst, kannst du es nicht wirklich so meinen. Klar, du könntest im Geheimen ein totaler Schürzenjäger sein, der das zu allen Frauen sagt, um sich alles offen zu halten, aber du versuchst nicht mich abzuschleppen. Kann also nicht sein. Beryl, die du für ebenso attraktiv hältst, hat mir auch schon Komplimente zu meinem Aussehen gemacht, und die steht auch nicht auf Frauen!" Nach dem Wortschwall nahm Jade erneut einen großen Schluck von seinem Drink, den er eh nicht anrührte, da sie den Eindruck hatte, daß der Tee weniger schlimm wurde, je mehr Alkohol sie hinterherkippte. "Außerdem, hast du nicht selbst mal zu mir gesagt, daß die Nettigkeiten nur Sticheleien unter Freunden seien?"

Caleb war wie vor den Kopf gestoßen. Sicher wurde er ab und an von Männern angesprochen, deren Annäherungsversuche er stets höflich ablehnte, was ihn auch nicht weiter störte. Doch er hätte niemals damit gerechnet, den Eindruck homosexuell zu sein bei jemandem zu erwecken, der ihn näher kannte. Hatte Jade wirklich jedes Kompliment, das er ihr je gemacht hatte, als hohle Phrase oder Freundschaftsdienst abgetan?
"Jade, wenn ich einer Dame Komplimente mache, dann meine ich sie auch so. Man kann Rosen auch bewundern ohne sie zu pflücken, weißt du."
"Uh-huh." Ihrer Stimme fehlte die rechte Überzeugung und sie fügte in Gedanken hinzu:  'Man könnte zur Abwechslung aber auch einfach stumm durch den Garten gehen, ohne daß es die Rosen stört.'

Wieso machte es ihn gerade so irrational wütend, daß seine Freundin ihm nicht zu glauben schien? Es sollte ihm egal sein, wenn sie so dachte. Schwul zu sein war keine Schande, aber es war einfach nicht wahr! War das eine Retourkutsche, weil er ihre Wünsche bezüglich ihres Traummanns falsch eingeschätzt hatte? Oder war das verletzter Stolz auf seiner Seite? Wegen was? Seiner Eitelkeit als ein Mann, der gerne von Frauen umschwärmt wurde? Nein. Nein, es tat weh, daß sie ihn so wenig kannte.

Jade stand auf, als wolle sie gehen, und er tat es ihr nach. "Moment, Jade Sparkle! Es konsterniert mich, daß du mir nicht zu glauben scheinst. Wenn du recht hättest wüßtest du es längst, aber du liegst falsch! Glaubst du wirklich, ich würde mich meiner besten Freundin gegenüber derartig verstellen?"
"Natürlich glaube ich dir, was hättest du für einen Grund mich zu belügen?" Insgeheim dachte die junge Frau sich, daß er zu viel protestierte und vielleicht doch etwas an ihrem Gedanken dran war, doch sie machte ein möglichst überzeugtes Gesicht. Falls es stimmte würde er sich ihr irgendwann anvertrauen, und falls nicht war es auch egal, ob er eines fernen Tages mit einem Mann oder einer anderen Frau im Arm auftauchen würde.


Der Vampir atmete hörbar aus und wollte sie umarmen, um das Thema zu beenden, doch Jade wehrte die Berührung ab und nahm stattdessen seine Hände in die ihren. "Hör zu, Caleb, das möchte ich dir schon eine Weile sagen. Egal auf welches Geschlecht du stehst, von nun an möchte ich nicht mehr von dir umarmt werden, und ich möchte auch keine Komplimente und Sprüche zu meinem Aussehen mehr, in Ordnung?"
"Wie bitte?!" machte er gleichermaßen perplex wie schockiert.

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