Fast eine Woche später hatte Caleb am späten Freitag Vormittag keine Lust mehr auf die Arbeit und verschob seine Mittagspause nach vorn, um bei Beryl vorbeizuschauen und ihr einen Krimi zurückzubringen, den er sich vor längerem geliehen hatte. Er war neugierig, wieso er von der Rothaarigen nichts mehr hörte.

Als er bei ihr ankam war sie scheinbar bereits halb zur Tür hinaus. Sie ließ ihn ein, nahm das Buch entgegen und tauschte einige Höflichkeiten über die Arbeit mit ihm aus. Es wurde jedoch schnell klar, daß sie den Tag bereits verplant hatte. Plaudernd verließen sie das Haus.
Beryl fragte: "Und? Ist dir schlecht, Vampirchen?"
"Nein, wieso? Mir geht es blendend!" Er überlegte kurz, sah sich um und fragte erstaunt: "Der Knoblauchkranz ist weg! Warum hast du ihn abgenommen?"
"Ich hab ihn direkt ins Schlafzimmer gehängt, weil ich mir dachte, das sei gastfreundlicher, nun da ich gleich mehrere Vampire kenne."
"Ach, deshalb hat es im Haus so unangenehm gerochen!"
"Oje. Ich hatte gehofft, die Schlafzimmertür sei als Barriere ausreichend. War es sehr schlimm für dich?"
"Nein, annehmbar. Es war nicht schlimmer als beispielsweise der Geruch von angebranntem Essen."
"Das mag sein, aber nachdem ich nun weiß, daß es für dich immer noch unangenehm war, werde ich den Kranz zusätzlich in meiner Kiste verstauen, bis ich abends schlafen gehe. Das sollte helfen, denn ich habe schon seit langem einen zweiten Kranz dort deponiert, und bislang habt ihr euch nicht über ein Muffeln in meinem Haus beklagt."
"Das ist wirklich sehr umsichtig von dir, Beryl. Vielen Dank!"


"Ach, kein Ding! Wie läuft es denn in Jades Haus mit dem Knoblauchkranz, den ich ihr geschickt habe? Kannst du es noch betreten?"
"Einwandfrei, da sie ihn entsorgt hat!" knurrte er unglücklich, woraufhin Beryl die Brauen hob. Wirklich überrascht war sie nicht. "Sie glaubt also immer noch nicht an Vampire?"
"Ich bin mir nicht sicher. Sie widerspricht mir nicht, wenn ich mich als solchen bezeichne, aber sie beklagte sich über den Geruch des Knoblauchs und daß sie ihn nicht ertragen könne."
"Schöner Mist! Immerhin ist ihr in den letzten Wochen nichts passiert, also hat sie vielleicht Glück und Straud hat das Interesse verloren."
"Möglich, und wünschenswert. Ich hoffe, du liegst richtig, zumal sie behauptete keine Angst vor einem weiteren Biß zu haben."
"Naja, im Nachhinein betrachtet war es ja auch nicht weltbewegend schlimm."
"Wie meinen?!"
"Als mich der Mumienfürst gebissen hat war das schlimmste für mich, daß ich Urlaub nehmen mußte, weil ich mich so schwach fühlte. Natürlich war auch das Vertrauen in die Sicherheit des eigenen Hauses erstmal futsch, nachdem jemand gewaltsam eingebrochen war, aber er hat ja wenigstens nicht meine Sachen durchwühlt und außer meinem Blut auch nichts gestohlen, insofern ging das rasch wieder. Der eigentliche Biß war nicht so tragisch, es tat nur ein bißchen lange weh."
"Das ist... eine verstörende Enthüllung. Es tut mir leid, auf Anhieb weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll."
"Macht nichts. Entschuldige, daß ich so direkt frage: Wolltest du heute nur plaudern oder liegt dir etwas bestimmtes auf der Seele?"

Der Vampir zierte sich ein wenig, es anzusprechen. "Um genau zu sein wollte ich ein wenig plaudern und es mit einer Prise Üben verbinden."
"Üben?" hakte sie verwirrt nach, und er überlegte, wie er es am besten erklären sollte. "Nun, Jade und ich hatten ein Gespräch über persönliche Grenzen, und sie hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß ich es manchmal übertreibe. Von daher habe ich die Bitte, Beryl, daß du mich darauf aufmerksam machst, wenn ich zu viel flirte und Anspielungen mache oder dir körperlich zu nahe trete, zum Beispiel durch unbedachte Umarmungen. Ich versuche mir das abzugewöhnen, doch es ist sehr schwer."

Die Rothaarige starrte ihn ausdruckslos an. "Bitte?!"
"Habe ich mich undeutlich ausgedrückt?"
"Äh... Moment mal!" Beryl dachte kurz nach, aber es änderte nichts an ihrer Verwirrung. "Laß mich mal eines klarstellen, Caleb: Auch wenn ich nichts dagegen hätte, wenn es anders wäre, du berührst mich eigentlich nie, soweit ich mich erinnere, und hast mich genau einmal umarmt, und zwar bei Jade zuhause. Außerdem bist du zwar stets charmant, aber geflirtet hast du noch kein einziges Mal mit mir!"
Er war verdutzt. "Habe ich nicht?"
"Nein! Ich weiß wirklich nicht, wovon du sprichst, und ich fühle mich gerade ein wenig auf den Arm genommen, um ehrlich zu sein."

Ein wenig ungläubig sah er sein Gegenüber an und suchte in ihrem Gesicht nach Hinweisen dafür, daß sie scherzte. Doch er konnte nichts finden. Ihm war bewußt, daß er sich Beryl gegenüber extrem zurücknahm, was gewisse Sprüche anging, um sie nicht zu einer ungewollten Handlung zu provozieren, aber er hatte wirklich noch nie unbedacht mit ihr gescherzt?
"Ich soll dir gegenüber keine anzügliche Bemerkung gemacht haben? Keine einzige?!"
"Jedenfalls keine, die nicht eine Reaktion auf einen Spruch von mir war, und selbst die waren mehr als zahm."
"Und ich habe dich nur einmal umarmt?!"
"Jupp. Dieses ganze Händchen halten, tätscheln und Arm berühren hab ich dich nur Jade gegenüber machen sehen, als wir bei ihr waren. Keine Ahnung, was du sonst noch im Repertoire hast." Belustigt sah sie in sein entsetztes Gesicht und fragte sich, ob es ihn verstörte, daß er nur Jade gegenüber unverschämt war, oder daß er sie vernachlässigt hatte. Nun gut, insgeheim kannte sie die Antwort. Der Vampir trat zwar gerne auf wie ein großer Charmeur, aber er war doch nur ein harmloser Teddybär.

Die Malerin ging die Treppe hinunter in den Vorgarten, und ihr Gast folgte ihr. "Wenn Jade dein Auftreten zu viel ist, dann ist sie entweder noch viel prüder als gedacht, du kehrst in meiner Abwesenheit den totalen Macho an den Tag, oder du konzentrierst all deine 'Anspielungen und Umarmungen' auf andere Personen als mich. In dem Fall würde ich vielleicht mal darüber nachdenken, ob es nur genau eine einzige Person ist, welche die volle Breitseite deiner Charmeoffensive abbekommt, und woran das liegen könnte!"
"Jade als prüde zu bezeichnen, nur weil sie nicht so offenherzig ist wie du, ist nicht sehr nett, Beryl", versuchte Caleb sie sanft zu korrigieren.

Beryl kicherte in sich hinein. Wieso hatte sie gewußt, daß er alles, was nach dem Teil des Kommentars käme, geflissentlich überhören würde? Mehr konnte sie ihm wirklich nicht helfen, ohne ihn komplett an die Hand zu nehmen. "Ihr beide seid echt unglaublich, weißt du das?" Sie rollte mit den Augen, woraufhin der Vampir den Kopf schief legte. "Pardon?" - "Schön, dann ist sie nicht prüde, meinetwegen." Die Rothaarige winkte einfach grinsend ab. Sie wollte zu Thilo rüber, den sie seit Montag nicht gesehen hatte und der in wenigen Stunden zur Arbeit mußte, und sie hatte auch einfach keine Lust mehr auf das Beziehungsdrama zwischen ihren beiden Freunden. Anscheinend war auf dem Romantikfestival ja auch wieder alles drunter und drüber gegangen, sonst hätte Jade keine 'Grenzen' festgesteckt. Wenn der eine blauäugig und die andere unglücklich sein wollte, was ging es sie an?

Sims4 0091 Durch Schein zum Sein <- # -> Sims4 0093 Date? Muhawhaw!

 

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Kommentare   

# mjkj 2018-08-14 10:46
*lol* das wesentliche geflissentlich überhört... :P

Nunja, scheint so, als ob Caleb wirklich auf Jade steht - es nur nicht selbst erkannt hat... ;-)
+1 # Eph 2018-08-14 11:06
Beryl explodiert noch der Kopf, wenn es so weitergeht. :lol:
# mjkj 2018-08-14 11:14
*lol* arme Beryl... ;-)