Der Vampir schloß die Augen und atmete tief ein und aus. Die beiden hatten sich seines Wissens nach nur ein einziges Mal gesehen, wieso hatten sie da ausgerechnet Beryls sexuelle Vorlieben diskutiert? "Entschuldigt mich", sagte er dann und ließ die Frauen stehen, um sich aufs Sofa zu setzen.
"Wer hat ihn jetzt verjagt, du oder ich?" scherzte Lilith, und die Rothaarige verdrehte die Augen. "Wenn es mal wenigstens Eifersucht wäre, aber ich wette, es ist nur Prüderie!"
Die beiden Frauen grinsten einander an, doch schließlich wandte sich Beryl leiser an Lilith. "Was ist denn jetzt genau los?" - "Keine Ahnung! Mit mir redet er ja nicht." - "Na schön. Könnten wir das Thema Verabredung und mit wem ich mich... paaren will oder nicht, dann ruhen lassen und einfach ein bißchen plaudern? Vielleicht macht er ja doch noch den Mund auf." - "Schön, meinetwegen." Nun rollte Lilith mit den Augen, folgte ihrer Gastgeberin aber brav zum Sofa.

"Soooo..." machte Beryl, nachdem sie sich zwischen ihren Gästen niedergelassen hatte. "Was gibt es denn so neues bei euch? Arbeitest du immer noch als Modulreinigerin, Lilith?"
"Ja. Ich wäre bereits befördert worden, aber ich muß einige Zertifikate nachholen. Gefälschte Papiere bringen einen leider nur bis zu einer bestimmten Stelle weiter." - "Hast du dir einen falschen Uniabschluß gekauft, oder was?" - "Ich erwerbe seit Jahrzehnten immer wieder umfangreiche Kenntnisse in Mathematik und Physik, aber solche Dinge werden schnell wertlos, wenn man nicht altert. Wer soll mir glauben, daß ich noch vor meinem offiziellen Geburtsdatum einen Abschluß gemacht habe?"
"Oh, ich verstehe! Das muß ermüdend sein."
"Alles immer wieder neu zu lernen, obwohl man es auswendig kann, nur um einen Fetzen Papier zu bekommen, der einige Jahre später wertlos ist? Und ob!"
"Also belegst du nun Abendkurse, wegen dem Sonnenlicht?"
"Für die Grundlagen habe ich das, aber für zukünftige Studien wäre es deutlich einfacher, wenn wir uns endlich einen Computer zulegen würden!"
Caleb hob die Schultern an. "Ich habe nichts dagegen, ganz im Gegenteil."
"Ach?"


Beryl schmunzelte. "Sagt mal, unterhaltet ihr euch daheim nicht miteinander? Ihr entdeckt ja ganz neue Seiten an euch, nur weil ihr in meinem Haus seid."
Der Mann sah sie ratlos an. "Du siehst mich genauso erstaunt wie dich, Beryl. Lilith, du warst es, die unsere Villa klassisch erhalten wollte."
Die Angesprochene lehnte sich im Sofa zurück. "Es ist mir bewußt, daß wir uns darauf geeinigt hatten, aber so langsam finde ich doch, daß wir uns technisch etwas weiterentwickeln und nicht nur einen PC, sondern auch einen Fernseher anschaffen sollten."
"Auch dagegen hätte ich nichts einzuwenden! Jades Fernseher ist fürchterlich. Darf ich fragen, wie es zu diesem plötzlichen Sinneswandel kam, Schwester?"
"Zum einen wurde mir angetragen, die nötigen Qualifikationen online in den hauseigenen Kursen des Raumfahrtzentrums nachzuholen, was günstiger und zielgerichteter für mich wäre. Zum anderen bin ich genervt davon, daß ich auf der Arbeit nie mitreden kann. Ich dachte, wir würden dort in den Pausen gehaltvolle Gespräche über Wissenschaft und Technik halten, doch die Kollegen sprechen ständig über irgendwelche Science Fiction Serien, von denen ich noch nie gehört habe, oder über Politik und Sport. Sport interessiert mich auch, aber selbst da kann ich mangels Kenntnissen, welches Team in welcher Liga führt, nicht mitsprechen, und ich bin es leid, daß selbst der Firmentrottel Lee mehr Konversation treiben kann als ich."


"Warte mal, kurze Pause!" fuhr Beryl auf und klopfte sich auf die Schenkel. "Lee? Ja sicher, sie sagte immer sie sei Aushilfe im Raumfahrtzentrum! Liberty Lee ist euer Firmentrottel?"
"Selbstverständlich! Warum diese Person noch nicht gefeuert wurde ist mir ein völliges Rätsel. Sie ist die Ungeschicklichkeit in Person!"
"Tatsächlich?"
"Erst gestern wieder ist sie über ihre eigenen Füße gestolpert und hat ihren Kaffee über einen interessanten Prototypen der Robotikabteilung gekippt und ihn völlig ruiniert. In einer Abteilung, in der Getränke streng verboten sind, wohlgemerkt."
"Nein!"
"Letzte Woche hatte ich ein Modul gerade mühsam gereinigt und den Filter getauscht, als sie prompt einen Hammer drauffallen ließ und es unbrauchbar machte." Lilith machte eine Geste, als würde sie jemanden würgen. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich mir schon überlegt habe sie morgens anzuzapfen und im Pausenraum liegenzulassen. Wir würden so viel Arbeit erledigt bekommen ohne sie und ihre Tollpatschigkeit."
"Unfaßbar, daß jede meiner Freundschaften auf diese dumme Kuh zurückgeht." Die Rothaarige schüttelte ungläubig den Kopf, woraufhin sich Caleb, der sich am Klatsch nicht beteiligen konnte, zu Wort meldete: "Inwiefern geht unsere Freundschaft auf Liberty zurück, Beryl?"
"Na, ohne ihr blödes Fledermaus-Sexvideo hätte ich dir nicht die Frage gestellt, deren Antwort mich davon überzeugte, daß du ungefährlich bist. Weißt du noch, wie du über vampirische Exhibitionisten geschimpft hast und Sorge hattest ich könnte dich für einen von ihnen halten?"
"Teufel auch, erinnere mich nicht an dieses verfluchte Video!" rief Lilith erbost und bleckte die Fänge, was die beiden anderen zusammenfahren ließ. Beryl meinte vorsichtig: "Oh, sorry, Lilith. Ähm... du warst nicht darauf zu sehen, hoffe ich?"
"Natürlich nicht, ich habe keine Fledermausgestalt! Aber sie hat fünfmal versucht es mir zu zeigen, und ja, ich kenne einen der beiden darauf - er ist mein Friseur! Fünfmal!"
Ihr Bruder stöhnte auf, und Beryl bekam sich nicht mehr ein vor Lachen. "Potzblitz! Ich... sorry, aber... ha hahahahaaa!" Die Lachtränen liefen ihr übers Gesicht und ihr Bauch tat furchtbar weh, aber sie konnte kaum aufhören. "Moment, ich... Potzblitz! Bin gleich wieder da!" Sie stand auf und lief kichernd ins Bad.

Lilith nutzte die kurze Pause und stand ebenfalls auf, um sich abzuregen. Sie wanderte im Raum auf und ab, wobei sie mehrmals hintereinander die Hände zu Fäusten ballte und wieder entspannte. Ihr Bruder erhob sich ebenfalls und trat zu ihr. "Lilith, ich bin beeindruckt, wie gut du dich mit Beryl verstehst." - "Was? Hattest du Angst, ich würde sie beleidigen?" fragte sie und betonte das Wort 'beleidigen' absichtlich albern.
"Ich gebe zu, daß dem so war, allerdings sollte dich das auch nicht wundern nach dem, was du dir Jade gegenüber geleistet hast." - "Vielleicht habe ich das ja gar nicht und dein anderes Menschlein lügt." - "Du hast es zugegeben", erinnerte er sie trocken und sah sie anklagend an. "Außerdem kenne ich dich lange genug um zu wissen, wenn du flunkerst."
Die Vampirin schnaubte und setzte ein überhebliches Grinsen auf. "Der Unterschied ist, daß ich an Beryl Interesse habe. Letztes Mal war ich schon so dicht dran."
"Wovon sprichst du?" fragte er vorsichtig und spürte, wie ihm etwas kalt den Nacken hinabrieselte. "Du wolltest doch nicht etwa von ihr trinken?"
"Das auch, aber davon sprach ich gerade nicht."
"Dann erkläre dich."

"Ist das nicht klar? Ich habe Beryl letztes Mal schon angeboten sie zu verwandeln. Sie ist schön und stark und wird hervorragend in die Familie passen." - "Nein, Lilith! Nein!" - "Warum nicht? Ich dachte, ihr seid Freunde? Willst du sie nicht für immer behalten?" - "Lilith, du kannst nicht ernsthaft daran denken eine Vegetarierin in einen Vampir zu verwandeln! Denk nicht einmal daran ihr das anzutun!" zischte er entsetzt und schlug die Hände vors Gesicht. "Ich Idiot! Ich hätte wissen sollen, daß es doch ein Fehler war dich mitkommen zu lassen! Du benutzt mich gerade, um ihr Vertrauen schneller zu gewinnen, oder?"
"Als wenn ich dazu deine Hilfe bräuchte", winkte Lilith ab. "Du siehst doch, daß wir ganz schnell beste Freundinnen werden."
"Schwester, bei allem, was dir noch heilig ist - laß Beryl aus deinen Plänen heraus, ich bitte dich inständig!"
"Du klingst als wolltest du sie nicht ständig um dich haben, was ist denn mit dir los?"
"Bitte! Und sei es nur aus Respekt mir gegenüber! Du hast noch nie jemanden verwandelt, kannst du dir als erstes Subjekt nicht jemanden suchen, der weniger ungeeignet ist?"
"Ungeeignet? Weil sie Gemüse mag?"
Caleb schüttelte den Kopf und drang weiter auf sie ein. "Du verstehst Menschen einfach nicht. Beryls Einstellung geht tiefer als eine simple Vorliebe für Grünkost. Sie hat mir schon so oft von ihrer Ernährung erzählt. Es ist ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit, ihrer Seele!"
"Menschen sind wandelbar."
"Nicht in ihrem tiefsten Wesen, Lilith! Sieh mich an. Willst du jemanden wie mich erschaffen? Nein, jemanden, der noch schlimmer unter Schuldgefühlen leidet als ich? Soll das dein erster Schüler sein, ein Vampir, der aus gleich zwei Gründen kein Blut trinken will?"

Sie sah ihn fest an, doch in ihren Augen flackerte es. "Teufel auch. Ihr verdammten Weltverbesserer."
"Laß Beryl Mensch bleiben, Lilith. Du wirst jemand anderen finden."
"Vielleicht probe ich am Firmentrottel." Ihr Grinsen war das äußerste, was sie ihm an Zustimmung zugestand, aber Caleb atmete auf. "Wenn es sein muß. Aber die zieht auf keinen Fall bei uns ein, sonst habe ich sämtliche Frauen in meinem Leben gegen mich."
"Es gäbe elegantere Arten das Haus abzureißen als Lee einziehen zu lassen, sei unbesorgt." Lilith horchte auf. "Beryl kommt zurück."
Schnell setzten sich beide wieder und blickten der Rothaarigen entgegen, die sich ein letztes Mal mit einem Taschentuch über die Augen fuhr und sich wieder zwischen ihnen niederließ.
"Tut mir leid, ich konnte echt nicht mehr. So, ihr Hübschen, was habe ich verpaßt?"
"Gar nichts, wir haben nur über Fernseher diskutiert", versicherte Caleb ihr prompt.

Beryl zog die Brauen hoch. "War ja klar, daß ihr ohne mich nichts hinbekommt. Dann mal willkommen bei eurer zweiten Therapiestunde mit Doktor Beryl!"
"Und ich dachte, ich hätte Einzelstunden statt Gruppentherapie gebucht." Der Vampir schmunzelte, doch die Frau sah nur nacheinander ihre beiden Gäste prüfend an und schüttelte dann den Kopf. "Tja, Angebotswoche! Zweimal Familientherapie zum Preis einer Einzelstunde! Was gibt's denn sonst so neues?"
Sie plauderten eine Weile über ihrer aller Jobs, dann über die Stadt und schließlich über alles mögliche. Die ganze Zeit über paßte Beryl auf wie eine Füchsin, was Caleb so von sich gab, und ihr fiel auf, daß er Jade mit keinem Wort erwähnte. Zudem hatte sie das Gefühl ihrerseits unter Beobachtung von ihm zu stehen, was sie sich nicht recht erklären konnte.
Die Zeit tickte dahin, und die Unterschiede zwischen den beiden Vampiren traten immer deutlicher zutage. Sie verstanden sich zwar hervorragend, aber sie waren völlig unterschiedlich vom Charakter her.

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Kommentare   

# mjkj 2018-07-20 10:01
Sehr interessante Gespräche :-)

Nunja, Caleb sollte endlich herausrücken mit dem was ihn quält...
+1 # Eph 2018-07-20 10:11
Pardon? Das Gespräch hat doch gerade erst angefangen! Hätte er die Mädels unterbrechen sollen?!
Das geht noch ein Kapitel weiter, also keine Hektik verbreiten hier! :P
# mjkj 2018-07-20 10:26
Oh? es klang so, als ob sie schon stundenlang reden...

Liberty scheint ja wirklich eine Katastrophe zu sein...
+1 # Eph 2018-07-22 17:53
Beryls Mühlen mahlen langsam, muhawhaw! Den Feind verwirren und so. :P

Ja, wie ich inzwischen weiß hat Liberty das Charaktermerkma l "tollpatschig". Die kommt nicht ohne Unfall durch den Tag. Bei jedem Spülen geht was zu Bruch, wenn sie ins Bad geht müssen alle zittern, ob es einen Wasserrohrbruch gibt.