Schließlich konnte die Frau nicht mehr an sich halten und fragte: "Sagt mal... Entschuldigt, daß ich das so deutlich sage, aber seid ihr beide wirklich Geschwister oder ist das so eine 'Wir sind eine große Familie' Sache unter Vampiren?"
Caleb war überrascht. "Selbstverständlich sind wir blutsverwandt. Was läßt dich daran zweifeln?"
Die Rothaarige sah erneut beiden nacheinander ins Gesicht. "Sorry, ich sehe hier keine Ähnlichkeit, und damit meine ich nicht mal eure vollkommen konträren Kleidungsstile. Braune Augen hier, graue da, keinerlei Übereinstimmungen bei Teint oder Haarfarbe und null Ähnlichkeiten in der Knochenstruktur des Gesichts. Und was den Vampirismus angeht - Lilith hat im Alltag nicht mal spitze Zähne! Nun mal ehrlich, wen von euch beiden hat der Postbote gebracht, wenn ihr versteht, was ich meine?"


Lilith lachte. "Es stimmt aber. Caleb hat die Augen und den Teint unserer Mutter, ich komme mehr nach Vater." - "Zugegeben, als wir noch Menschen waren sahen wir uns ähnlicher, und die Ähnlichkeiten mit den Eltern waren noch umgekehrt", führte ihr Bruder den Gedanken weiter, was Beryl zu der Frage verleitete: "Inwiefern?"
Er zuckte mit den Schultern. "Vampire können im allgemeinen nicht viel Körperfett halten." - "Vor allem nicht, wenn sie diäten", warf Lilith gehässig ein, was er zu überhören beschloß. "Früher war Lilith deutlich molliger und sah Mutter damit ähnlicher als ich, und mein Körperbau war unserem Vater gleich."
"Ah, dann bist du erst später so mädchenhaft schlank geworden?" schloß Beryl interessiert aus seiner Erzählung.
"He..." machte er unsicher und straffte die Schultern, während Lilith feixte.

"Aw, ist nicht böse gemeint, dieser Emo-Look ist total in!" Die Malerin tätschelte ihm die Hand. "Solltest du mehr Bestätigung brauchen, daß du gut aussiehst, kannst du gerne heute hierbleiben, Vampirchen."


Lilith lachte lautlos. Wie nannte dieses Menschlein ihren Bruder?! Vampirchen? Unfaßbar, wieviel Bestätigung er von ihnen brauchte, daß er sich selbst solche Spitznamen gefallen ließ. Damit würde sie ihn wochenlang aufziehen können.
Caleb versuchte gute Miene zum bösen Spiel zu machen. "Beryl, hatten wir darüber nicht unlängst bereits gesprochen?"
"Daß du gut aussiehst sage ich dir so oft du es brauchst, Vampirchen."
"Solltest du das nicht lieber deinem Galan sagen, den du nun unseretwegen verpaßt hast?"
"Ich werde es versuchen, aber die Arbeit für Doktor Beryl geht nun einmal vor", belehrte sie ihn, ehe ihre Miene plötzlich forschend wurde. "Womit wir auch beim nächsten Thema wären, Einzeltherapie! Jetzt mal Butter bei die Fische, Caleb, wieso wolltest du nicht mit nach Willow Creek? Hast du schon wieder Jade geärgert?"

Er starrte sie nur an, und für einen Moment hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Lilith beugte sich interessiert vor und sah an der drallen Frau vorbei. Ihr Bruder machte ein Gesicht wie ein Kind, das mit der Hand in der Keksdose erwischt worden war. Würde sie jetzt doch noch erfahren, was ihn seit Tagen so beschäftigte?
Beryl stemmte die Hände in die Hüfte. "Bekomme ich auch eine Antwort?"
"Ich wüßte nicht, was dich das angeht." Die plötzliche Kälte, mit der er es sagte, überraschte beide, doch die Rothaarige ließ sich davon nicht beirren. "Whoa, Moment mal! Meine Chancen, heute Nacht endlich mal wieder Sex zu haben, standen bei wenigstens 75%, ehe ihr hier aufgetaucht seid, und der einzige Grund, warum sie nun bei 0% stehen, ist deine Weigerung einfach mit in den Nachtclub zu kommen! Das geht mich sehr wohl etwas an! Allein der Gedanke, daß Jade mit ihrer sozialen Phobie dort jemals auftauchen würde, ohne daß einer von uns beiden sie hingeschleppt hat, erscheint mir völlig abstrus, und wenn du dort Hausverbot haben solltest sag es einfach. Also, was hast du angestellt, daß dir sogar ein Nachtclub im gleichen Stadtteil zu riskant erscheint?"
"Ich weiß es nicht!" rief er und warf aufgebracht die Hände in die Luft. "Verstehst du, Beryl? Ich! Weiß! Es! Nicht! Das einzige, was ich weiß, ist, daß Jade offenbar Zeit für sich braucht, um irgendetwas zu verarbeiten, von dem sie mir nichts erzählen mag. Mehr kann ich dir nicht sagen, also frag sie."


"Schön, wann hast du sie zuletzt gesehen, und ist da etwas besonderes passiert?"
"Wir waren am Donnerstag letzter Woche nach der Arbeit hier im Fitneßstudio, aber nicht einmal lange!"
"Im Fitneßstudio? Etwa wegen der Spiegel?"
"Spiegel?" hakte Lilith nach, und Beryl erklärte: "Dort ist mir aufgefallen, daß ihr kein Spiegelbild habt. Ich vermute, unser guter Caleb hier hat denselben Effekt benutzen wollen, um Jade endgültig deutlich zu machen, daß er ein Vampir ist."
Sein Gesicht sprach Bände.
Die Vampirin zog eine Grimasse. "Hab ich dir nicht gesagt, daß eure Freundschaft das nicht überlebt? Die Memme hat Angst!"
"So ist das nicht!" fuhr er auf. "Es hat sie überhaupt nicht gestört. Der Teil des Treffens verlief so unproblematisch, daß es mich selbst überraschte, und alles andere war nette Plauderei wie immer. Den Großteil unseres Gesprächs nahm ein Arbeitsplatzproblem ein, das zu ihren Gunsten gelöst wurde. Es war alles wie immer! Erst in der Umkleide wurde sie komisch."
"Oh, du Schwerenöter!" rief Lilith und grinste anzüglich, doch Beryl runzelte die Stirn. "Definiere 'komisch'!"
"Sie hat heimlich geweint und verkriecht sich seither. Ich bekomme sie kaum ans Telefon, und am Wochenende etwas zu unternehmen hat sie ebenfalls abgelehnt. Sie ist schon seit einer Weile seltsam abwesend, aber das jetzt ist extrem. Meine Hoffnung war, daß sie dir etwas erzählt hätte." Daß sie genau genommen seltsam war, seit er Jade mit Beryl zusammen gesehen hatte, mochte er nicht preisgeben.

Caleb starrte seiner Freundin ins Gesicht und suchte nach dem geringsten Anzeichen dafür, daß sie eine Ahnung hatte, was mit Jade los war, aber sie war verteufelt gut darin Gefühle zu verstecken, wenn sie etwas nicht zeigen wollte. Mehr als ein bedächtiges Blinzeln gab sie ihm nicht. "Okay", sagte sie. "Ich rede mit ihr."
"Du weißt, was mit ihr los ist, nicht wahr?" fragte er mißtrauisch.
"Vielleicht. Vielleicht auch nicht."
"Sag es mir!"
"Erst muß ich mit ihr reden." Beryl stand auf zum Zeichen, daß sie den Abend ausklingen lassen wollte. Caleb sah sie schräg an, sagte aber zunächst nichts. Er ging mit Lilith zur Tür, wünschte eine gute Nacht und entschuldigte sich steif erneut dafür Beryls Pläne durcheinander gebracht zu haben. Erst dann wandte er sich doch noch einmal an sie. "Wenn ich ihr irgendwie helfen kann und du sagst es mir nicht, bin ich dir für immer böse."
Die Rothaarige rollte mit den Augen. "Du willst Jade helfen? Schön, es ist ganz einfach! Sei ihr Beau für eine Nacht! Geh mit ihr aus, schweb mit ihr über irgendein Tanzparkett oder was du sonst romantisches tust, küß sie, als gäb's kein Morgen, nimm sie mit in ein Hotel und reiß sie derartig von den Füßen, daß sie gar nicht zum Nachdenken kommt vor lauter Leidenschaft", zischte sie ihm zu. "Was meinst du wohl, wie gut es ihr dann ginge!"
Er schüttelte nur den Kopf. Für ihre dummen Späße fehlte ihm heute wirklich die Geduld. Ohne ein weiteres Wort verschwand er in die Nacht.

Lilith winkte der Malerin nur ein letztes Mal lässig zum Abschied zu und holte dann zunächst schweigend zu ihrem Bruder auf. "Was sollte das gerade?" fragte sie schließlich. "Läuft da etwa was zwischen dir und dieser Jade?"
"Mitnichten! Beryl ist einfach nur liebestoll und projiziert ihre eigenen Bedürfnisse auf alle um sie herum. Ich will ihr nur raten Jade nichts dummes einzureden! Wenn es dafür nicht schon zu spät ist...", knurrte er.
"Ah. Wären wir mal doch zwei Tage später hingegangen und hätten ihr zunächst Zeit für die Paarung gelassen, um sich abzureagieren, huh, Vampirchen?" Sie feixte über seinen Spitznamen, was zu einer Grimasse seinerseits führte. "Nun fang du nicht auch noch so an, Lilith! Und könntest du es bitte, bitte nicht 'Paarung' nennen? Wir sind hier nicht im Zoo!"
Sie lachte, während ihre Konturen zu ihrer Rauchgestalt verschwammen. "Ich such mir was zu essen! Bis später, Bruderherz!"


Nachdem sie die Vampire verabschiedet hatte griff Beryl sich einen Notizblock und schrieb eine Nachricht an Thilo, denn es war viel zu spät geworden, um doch noch aufzubrechen, und sie spürte langsam, wie sie hundemüde wurde.
"Leider ist mir etwas dringendes dazwischengekommen und ich hatte deine Nummer nicht, um Bescheid zu sagen. Ich hoffe, du läßt es mich wieder gutmachen! XXX, Beryl"
Sie fügte ihre Handynummer hinzu und flitzte rasch über die Straße, um ihm den Zettel unter der Tür durchzuschieben. Dann ging sie nachdenklich ins Bett. Was für ein verwirrender Abend! 'Dieser Idiot Caleb! Jede Wette, daß er nicht verstanden hat, wie ich ihm gerade einen Straßenplan zu Jades Glück in die Hand gedrückt habe. Es kann ja wohl wieder nur daran liegen, wenn sie sich mies fühlt.'  Sie seufzte und schlief ein.

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Kommentare   

# mjkj 2018-07-23 09:32
Wow...

Jade hat mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen...
+1 # Eph 2018-07-23 10:23
Jade? Jade ist nicht mal anwesend und hat Recht - voll die Superkraft! :P
# mjkj 2018-07-23 11:08
Ups...

meinte natürlich Beryl... :sigh:
+1 # Eph 2018-07-23 11:37
Okay, das macht mehr Sinn. ^^
# mjkj 2018-07-23 11:52
Jup, definitiv... :D