Nachdem Caleb gegangen war machte Beryl es sich mit einer Flasche Rotwein vor dem Fernseher gemütlich. Sie leerte das erste Glas, noch ehe sie ein zufälliges Programm einschaltete. Es war ihr egal, was lief, ein paar bunte Bilder zur Berieselung waren alles, was sie brauchte.
In ihrem Kopf arbeitete es. Nach all der Zeit war es nun also doch dazu gekommen, daß Jade den Vampir angegraben hatte. Nun war Beryl endgültig an den Mädelscode gebunden und mußte die hübschen Pfoten vom Vampirchen lassen.

Nunja, sie gönnte es Jade ja auch. Irgendwie zumindest, wenn sie ihren Neid herunterschluckte. Die Kleine hatte noch überhaupt keinen Spaß gehabt im Leben. Sollte sie es halt von ihrem charmanten Boss besorgt bekommen. Besser als eine Enttäuschung mit irgendeiner Pfeife, und offenbar brauchte Caleb ja auch etwas Anschub in Sachen Libido. Hauptsache, die zwei brächten später beim Schlußmachen nicht die ganze Gruppendynamik durcheinander. Trotzdem ärgerte die Rothaarige sich, daß es ihr nicht vorher gelungen war mit dem Vampir zu schlafen. Wie lange würde sie jetzt wohl warten müssen, bis er wieder solo war? Vermutlich nicht allzu lange. Jade war doch viel zu naiv und unerfahren, um einen Mann langfristig zu halten. Es würde sie nicht einmal wundern, wenn Caleb vor Frust schon abspringen würde ehe etwas passierte. Und falls wider Erwarten doch etwas mit dem Vampir nicht stimmte und er als Liebhaber gar nicht taugte würde sie es aus Jade schon herausbekommen. Die Frau kicherte.

Die Situation eröffnete dennoch gerade neue Fragen. Daß Beryl über eine längerfristige Beziehung mit Thilo nachdachte hatte sie mehr oder weniger nur in der Hoffnung gesagt das Vampirchen doch noch eifersüchtig zu machen. Der Plan war nicht aufgegangen, und nun mußte sie tatsächlich darüber nachdenken, was sie von Thilo wollte, denn daß der nun alle ihre Freunde kennenlernte war dank des sozialen Caleb als Vorreiter unvermeidbar. In der Theorie hätte sie vielleicht nichts dagegen einzuwenden gehabt es wirklich mit ihm als Freund zu versuchen. Was sie über ihn gesagt hatte war die Wahrheit, und im Bett hatte die Frau auch keine Klagen. Eigentlich sprach nichts gegen ihn.

Auf der anderen Seite sprach aber auch nichts für ihn. Beryl war nicht Hals über Kopf in ihn verliebt, und daß ihre Neugier auf einen Vampir so stark war konnte eigentlich nur heißen, daß der Komiker ihr nicht genug war. Konnte sie dieses Jucken nicht irgendwie kratzen, um sich anschließend besser orientieren zu können? Aber mit wem? Caleb war nur die einfachste und sicherste Wahl gewesen, so gut sah er schließlich auch nicht aus. Sie kannte nicht viele andere Vampire, und es sollte schon jemand sein, bei dem sie sicher sein konnte nicht anschließend blutleer im Graben abgelegt zu werden. Der Mumienfürst kam selbstverständlich nicht in Frage. Daichi hatte schon länger nicht mehr vorbeigeschaut, und zum einen kannte sie ihn nicht besonders gut und zum anderen nervte es sie, daß er bei jedem Plausch ihre Mülltonne durchsuchte. Angeblich suchte er dort nach Schneekugeln, obwohl Beryl ihm mehrmals standhaft versichert hatte noch nie solche Objekte entsorgt zu haben. Nein, zu jemandem, den sie in ihr Schlafzimmer ließ, wollte sie schon ein gewisses Vertrauen haben.

"Caleb, du Idiot!" knurrte Beryl und trank erneut ihr Glas aus, ehe sie nachschenkte. Somit blieb aus ihrem vampirischen Bekanntenkreis nur Lilith, und die Malerin hatte kein Interesse an Frauen. Ob die Vampirin sie wohl freiwillig mit weiteren ihrer Art bekanntmachen würde? Oder ob gar Caleb selbst bereit wäre sie einem seiner Vampirfreunde vorzustellen? Hatte der überhaupt welche, so oft, wie er sich bei Menschen herumtrieb?
Die Rothaarige starrte vor sich hin. Je länger sie darüber nachdachte, desto weniger war sie sich sicher, ob es ihr wirklich nur um einen Vampir ging. Ihre letzte Trennung war noch nicht sehr lange her, und sie war wirklich hart gewesen. Wollte sie sich das echt schon wieder antun, sich fest an einen Mann zu ketten? Eigentlich hatte sie doch nur ein paar Abenteuer gesucht, um sich eine Weile auszutoben!

Sie seufzte. Ihr war bewußt, daß Thilo mehr wollte, und vermutlich würde er ihre gemeinsame Affäre bald beenden, wenn sich nichts änderte. Sie wollte nicht wieder eine Durststrecke erleben, und außer ihm hatte sie bislang keinen ordentlichen Kerl gefunden. 'Es wird mich wohl kaum umbringen, doch mal mit ihm auszugehen', entschied sie sich schließlich seufzend. Ihr fiel ohnehin momentan die Decke auf den Kopf. Ein paar Ausflüge und Dates könnten Thilo bei der Stange halten, bis sie sich entweder sicherer war, was ihre Gefühle für ihn angingen, oder bis sie Ersatz gefunden hatte. 'Vielleicht wird ja sogar das Vampirchen doch noch eifersüchtig, wenn er von meinem Liebhaber hört, was er verpaßt', dachte sie mit einem schiefen Grinsen und amüsierte sich königlich über diesen Gedanken. 'Oder er wird die prüde Jade schneller leid als gedacht und weiß mehr Erfahrung dann endlich zu schätzen.' Natürlich war es auch möglich, daß sie sich selbst überraschen und sich doch noch in Thilo verlieben würde.

Wenn möglich wollte sie dennoch vermeiden fest mit ihrem Nachbarn zu gehen, ehe sie sich ausgetobt hatte. Er war ein guter Anfang, aber sie hatte das Gefühl, daß es viel zu früh war für ein Ende. Beim Gedanken an eine feste Beziehung oder gar an ein Zusammenziehen rieselte es ihr selbst mit all dem Alkohol im Blut kalt den Rücken hinab. Die Malerin stand endlich fest auf eigenen Füßen. Sie verdiente massig Geld, besaß ein Haus, in dem sie schalten und walten konnte wie sie wollte, und sie konnte sich inzwischen fast jeden Wunsch selbst erfüllen. Sie brauchte keinen Mann, der sie aushielt, und erst recht keinen, den sie aushalten mußte und der ihr Leben in Unordnung brachte. Thilo schien zwar recht ordentlich, aber seine Einrichtung war teilweise sehr spartanisch. Angenommen, das war sein Stil und er brauchte das zum Beschwören seiner Muse - wollte sie Beistelltische aus alten Obstkisten und Retro Pinup-Poster im Haus, wo doch immer mehr ihrer Meisterwerke die Wände zierten und sie langsam aber sicher die Möbel kaufte, die ihr gefielen? Wenn er sich seine Einrichtung hingegen ziellos aus Geldnot zugelegt hatte wäre das fast noch schlimmer. In dem Fall hatte er weder Geschmack noch Geld, und ihr Partner mußte jemand sein, den sie guten Gewissens zu Ausstellungen und Empfängen mitnehmen und vorstellen konnte. Hatte sie die Zeit darauf zu warten, ob das bei ihm je der Fall sein würde? Konnte er sich die Witze überhaupt lange genug verkneifen, um sie nicht vor ihren Bossen zu blamieren?

Beryl grübelte noch eine Weile über ihr Problem, kam aber auf keine bessere Lösung, als Thilo bei Laune und ihre Augen offen zu halten. Sie würde ihm Gelegenheit geben sich zu beweisen, sowohl charakterlich wie auch finanziell, und sich dabei umschauen, ob sich noch etwas interessantes anderes auftat. Lilith würde sie trotzdem mal anrufen und über deren Freundeskreis ausfragen. Sie mußte es nur vermeiden sich von ihrem Nachbarn in eine exklusive Beziehung drängen zu lassen.

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