Erst hatte sie sich so gut gefühlt, doch in der Nacht zu Montag waren Jade Zweifel gekommen, ob sie das richtige getan hatte. Sie warf sich unruhig im Bett hin und her und fand kaum Schlaf. Auch auf der Arbeit konnte sie an nichts anderes denken als an ihren 'Überfall' auf Caleb und seine Reaktion. Er war so verständnisvoll gewesen. So nett. Aber hatte er nicht selbst gesagt, daß er nicht wüßte, was daraus wird? Was, wenn er zu dem Schluß kam sie doch nicht so zu mögen? Was, wenn sie nur geträumt hatte? Was, wenn er sie langweilig oder - noch schlimmer! - aufdringlich fand? Wie sollte sie sich verhalten? Verdiente er nicht eine tollere Freundin als sie? Was, wenn er nur höflich gewesen war, damit sie nicht noch mehr weinte oder sich dumm vorkam?
So viele Zweifel. So viele Ängste. Dabei war es noch viel zu früh für eine Einschätzung, aber sie konnte nicht aus ihrer ängstlichen Haut heraus. Sollte sie ihn anrufen? Sie traute sich nicht.

Auch in der nächsten Nacht schlief sie sehr schlecht. Wenn er es ernst meinte, was erwartete er dann jetzt von ihr? Sie hatte doch gar keine Ahnung, was sie nun tun sollte! Bestimmt stellte sie sich an wie das letzte Trampeltier! Wie sollte sie sich denn nun bloß verhalten?
Am Dienstag Abend war sie dermaßen erledigt, daß sie sich gleich nach der Arbeit nur noch unter die Dusche stellte und sich direkt mit einem Buch ins Bett verkroch.

Um kurz nach Acht klingelte ihr Handy. Es war Caleb. Jades Herz begann wie wild zu pochen, als sie mit zitternden Fingern abnahm. "Hallo, Caleb! Schön, von dir zu hören. Was gibt's?" fragte sie an dem dicken Kloß in ihrem Hals vorbei. Das Rauschen in ihren Ohren ebbte erst dann langsam ab, als sie seine fröhliche Stimme hörte. "Guten Abend, Jade! Ich wollte nachhorchen, ob du 'Die Drei Türme' schon ausgelesen hast. Ich habe es gerade beendet! Der Schluß ist so unerhört genial, daß ich es kaum erwarten kann mit dir darüber zu diskutieren!" - "Oh! Ähm... nein, ich bin gerade dabei." - "Ah! In dem Fall will ich dich natürlich nicht stören! Das Buch kann man schwerlich aus der Hand legen, genieße es!"
"Das stimmt zwar, aber ich freue mich trotzdem über deinen Anruf!" versicherte sie ihm rasch.
"Ja? Ich dachte, du bevorzugst Textnachrichten."
"Nein..."
"Wunderbar! Wieder einmal hat die Frechheit gesiegt!" Er lachte. Wieso war er so unbefangen, wo sie das Gefühl hatte, jeden Moment zu Wackelpudding zu zerfließen? Das war unfair.

Caleb tigerte aufgeregt im Wohnzimmer auf und ab und hoffte normal zu klingen. Jade klang müde, aber es war schön sie nicht explizit wegen eines Termins anzurufen und dennoch nicht abgewimmelt zu werden.
"Wegen Sonntag, Caleb...", begann die junge Frau zögerlich, was sein Herz in wildes Pochen versetzte. Bereute sie es doch? "Ich... bist du wütend auf mich oder enttäuscht?"
"Bitte?! Was habe ich getan, um diesen falschen Eindruck in dir zu erwecken?" fuhr er überrascht auf.
"Weil ich dich so überfallen habe anstatt mit dir zu reden..."
Er atmete auf und versicherte ihr so sanft, wie er nur konnte: "Nein, natürlich nicht. Das war eine sehr angenehme Überraschung. Die wohl beste meines Lebens!"

Die junge Frau fühlte ihre Knie weich werden und war froh, im Bett zu liegen. Vor Aufregung verknuffelte sie die Bettdecke zwischen ihren Beinen. "Wirklich?"
"Jade, du bist etwas ganz besonderes für mich, die engste Freundin, die ich je hatte! Es hat mir sehr weh getan dich all die Zeit leiden zu sehen und keine Ahnung zu haben, woran das lag oder was ich tun könnte. Ich bin über alle Maßen froh, daß du dich mir endlich anvertraut hast."
"Ich bin auch froh, daß ich es geschafft habe. Ich war schon so oft daran gescheitert etwas zu sagen und dachte wirklich, es zerreißt mich."
"Hätte ich auch nur die geringste Ahnung gehabt, ich hätte es dir gerne leichter gemacht."
"Du bist eben der liebste Mensch auf der Welt!"
"Vampir", korrigierte er sie sanft.
"Hm?"
"Der liebste Vampir auf der Welt."
Sie unterdrückte ein Kichern. "Sicher!"
"Und hellseherisch noch dazu! Mich beeindruckt selbst, wie Recht ich letzten Endes doch hatte!"
"Was meinst du?"
"Du hast dein Herz tatsächlich jemandem aus der Firma geschenkt!"
"Oh, du Schlingel!" Jade drückte ihr Kissen an die Brust.
"Stets gern zu Diensten, Teuerste!"
"Ich... ich kann immer noch nicht glauben, daß... Ist das wirklich passiert?"
"Wir können unsere Erinnerungen ja vergleichen, um sicherzustellen, daß wir nicht gleichzeitig unter Halluzinationen gelitten haben. Also, ich für meinen Teil bin überzeugt davon, am Sonntag von einer Elfe geküßt worden zu sein", machte er vergnügt, "Wie steht es mit dir?"
"Oh, du Schlingel!" wiederholte sie kieksend und wurde rot.
"Du kannst so süß sein, Jade."

Die junge Frau wußte nicht, was sie noch sagen sollte, und es kam zu verlegenem Schweigen. Einerseits war sie überglücklich so mit ihm plaudern zu können, andererseits wollten sie es langsam angehen und sie war nicht sicher, was sie sagen durfte und was nicht.
Schließlich fragte Caleb leise: "Jade? Bist du eingeschlafen?"
"Ganz sicher nicht, so wie mein Puls rast!" gab sie verlegen zu, ehe es aus ihr herausplatzte: "Oh, du meine Güte, ich kann das einfach nicht!"
Nun war es erneut an ihm, unsicher zu sein. "Was meinst du? Magst du dich doch nicht an einer Beziehung versuchen?"
"Nein, nein, das will ich unbedingt!" versicherte sie ihm rasch, als sie die leichte Sorge in seiner Stimme wahrnahm, und fuhr fort: "Ich meine... ich weiß plötzlich nicht, was ich sagen soll, und bin total gehemmt! Ich bin ja so ein Klotz!"

Ihr Freund lachte erleichtert. "Das bist du nicht, Jade Sparkle, du bist ganz reizend! Mach es dir nicht so schwer - wir plaudern doch nur! Du mußt nicht versuchen mich zu beeindrucken. Daß ich freche Komplimente mache und du rot wirst ist doch liebgewonnene Tradition bei uns, oder? Es ist alles wie immer."
"Nicht ganz. Ich wünsche mir die ganze Zeit ich könnte während unseres Gesprächs neben dir stehen und dich ab und zu umarmen." Jade dachte kurz nach. "Okay, also vielleicht doch wie immer!"
"Das sehe ich als Gutschein für unser nächstes Treffen! Und wenn es dir hilft nehmen wir nächstes Mal einen Videochat, dann kannst du mit deinem Lächeln flirten und mußt gar nichts sagen."
Sie stimmte in sein Lachen ein und legte das Kissen an seinen Platz zurück. "Ich muß langsam schlafen gehen, sonst schlage ich schon wieder als Zombie bei der Arbeit auf."
"Du wärst zwar zweifelsohne der hübscheste Zombie im Büro, aber ich mag dich lebendig lieber."
"Ich mich auch."
"Darf ich dich morgen wieder anrufen?"
"Klar darfst du!"
"Dann gute Nacht, Jade, und schlaf gut."
"Danke, du auch, Caleb! Gute Nacht!"

Es war schwer zu widerstehen, aber er wollte nicht zu einem dieser kitschigen Paare werden, die sich 30 Minuten lang voneinander verabschiedeten, daher legte Caleb auf. Ein Paar? Für eine solche Bezeichnung war es wohl viel zu früh, doch es erschreckte ihn beinahe, wie leicht es war, sich neu auf Jade einzustellen. Auf diese intime Art und Weise mit ihr zu sprechen kam ihm so natürlich vor als hätten sie nie etwas anderes getan. Eine angenehme Wärme hatte sich in ihm ausgebreitet, und er konnte es kaum erwarten sie wiederzusehen. So mußte es sich anfühlen für jemanden zu schwärmen. Er war sich nicht sicher, weil es so lange her war, doch es fühlte sich an wie die sagenumwobenen Schmetterlinge im Bauch, von denen er so oft las.

Jade kuschelte sich unter ihre Decke und knuddelte kurzentschlossen das zweite Kissen ihres Doppelbetts. Momentan hätte sie die ganze Welt umarmen können!
Das Telefonat hatte sie ein wenig beruhigt. Caleb war wie immer gewesen - lustig, charmant, aufmerksam und unterhaltsam. Nein, er war sogar noch viel lieber gewesen als sonst! Die junge Frau fühlte sich jetzt so viel besser.
Sie schlief rasch ein, als ihr Körper sich den entgangenen Schlaf der letzten Nacht holte, und diesmal träumte sie von schöneren Dingen.

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